Flughunde auf Guam: Der Bat Count 2025 und der Kampf gegen das Aussterben

Einblicke in den Bat Count 2025 und die bedrohte Welt des Marianen-Flughunds.

2025 Zählung von Flughunden auf Guam.
2025 Zählung von Flughunden auf Guam. Bildquelle: https://media.defense.gov/2025/Jul/02/2003747935/-1/-1/0/250701-F-VX152-1003.JPG

Wenn am Abendhimmel über dem Pazifik große Schatten gleiten, beginnt ein Schauspiel, das für die Ökosysteme mikronesischer Inseln überlebenswichtig ist: Die nächtlichen Flüge der Flughunde auf Guam. Im Juni 2025 fand auf der Insel erneut der sogenannte Island-Wide Bat Count statt – eine Zählaktion, die Licht ins Dunkel über den Bestand der bedrohten ‚Flying Foxes‘ bringen soll.

📌 Infobox: Der Marianen-Flughund (Pteropus mariannus)

  • Verbreitung: Guam, Rota, Tinian, Saipan
  • Status: Bedroht (IUCN: Endangered)
  • Gewicht: ca. 270 – 500 g
  • Spannweite: bis zu 32 cm
  • Ernährung: Früchte, Nektar, Blüten – u. a. Pandanus, Brotfrucht, Feigen
  • Bedrohungen: Lebensraumverlust, Jagd, invasive Arten, Militärinfrastruktur
  • Schutzmaßnahmen: Jagdverbote, Monitoring (z. B. Bat Count), Schutzgebiete

Ein Zensus mit Flügeln

Mit Taschenlampen, Notizblöcken und Nachtsichtgeräten bestückt, positionierten sich die Teams an 17 Beobachtungspunkten auf der gesamten Insel. Jede Sichtung wird dokumentiert: Flugrichtung, Anzahl, Verhalten. Auch lokale NGOs und zivile Helfer und Helferinnen beteiligen sich an der Zählung, denn der Flughund hat auf Guam mehr als nur ökologische Bedeutung – er ist Teil der kulturellen Identität.

Laut Angaben der US-Luftwaffe dient die Zählung dazu, Veränderungen im Bestand frühzeitig zu erkennen und wissenschaftlich fundierte Schutzmaßnahmen zu ermöglichen. Die gemeinsame Initiative von Militär, Umweltexperten und Zivilgesellschaft wird von vielen als Schritt hin zu einem besseren Gleichgewicht zwischen militärischer Nutzung und ökologischer Verantwortung verstanden.

Warum Flughunde auf Guam als Gärtner des Waldes unverzichtbar sind

Der Marianen-Flughund ist ein sogenannter „Seed Disperser“ – ein Samenverbreiter –, der viele endemische Pflanzenarten auf Guam, Rota, Tinian und Saipan durch seine Nahrungsauswahl verbreitet. Besonders bei der Regeneration tropischer Wälder nach Stürmen oder Rodungen spielt er eine zentrale Rolle. Ohne ihn fehlen vielen Bäumen – darunter auch Pandanus und Brotfruchtbaum – wichtige Bestäubungspartner und Samenverteiler.

Gleichzeitig leidet die Population massiv unter Lebensraumverlust, illegaler Jagd und dem Eindringen invasiver Arten, etwa der Braunen Nachtbaumnatter, die Flughundjunge aus ihren Schlafbäumen raubt. In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand dramatisch geschrumpft. Der IUCN-Status lautet inzwischen: „Endangered“.

In Zeiten des globalen Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse im Pazifik ist die natürliche Waldregeneration durch Flughunde auf Guam die wichtigste Versicherung für die langfristige Stabilität des insularen Ökosystems.

Zwischen Tradition, Jagd und Schutz

In der CHamoru-Kultur gelten Flughunde auf Guam als Delikatesse. Traditionell wurden sie bei festlichen Anlässen serviert. Auch heute noch gibt es Kontroversen über legale Jagdquoten, Wilderei und den Export auf die Philippinen. Guam hatte zeitweise eine vollständige Jagdsperre verhängt, doch illegaler Handel bleibt ein Problem.

Hinzu kommt ein geopolitischer Konflikt: Guam ist ein strategischer Außenposten der USA im Pazifik, mit mehreren großen Militärstützpunkten. Diese Infrastruktur führt zu Lichtverschmutzung, Flugverkehr und Flächenverlust – direkte Belastungen für die sensiblen Tiere. Einige Schutzgebiete, wie das Ritidian Unit, Guam National Wildlife Refuge, bieten Rückzugsräume, doch sie reichen oft nicht aus.

Die Bedeutung der Flughunde auf Guam kann kaum überschätzt werden. Während andere Inseln des Archipels noch auf eine vielfältige Vogelwelt zur Bestäubung setzen können, ist Guam durch die braune Nachtbaumnatter fast vollständig auf seine fliegenden Säugetiere angewiesen. Naturschutzexperten betonen, dass Schutzprogramme für Flughunde auf Guam somit gleichzeitig Programme zum Erhalt des gesamten Regenwaldes sind. Ohne die gezielte Verteilung von Samen durch die Tiere würde die Flora der Insel langfristig verarmen, was auch Auswirkungen auf den Küstenschutz und das lokale Mikroklima hätte.

Hoffnung durch Wissenschaft und Zusammenarbeit

Der Bat Count 2025 ist mehr als eine Zählung: Er ist ein Symbol für interinstitutionelle Kooperation. Militär, Umweltschutzbehörden und Zivilgesellschaft arbeiten gemeinsam daran, einen bedrohten Teil der pazifischen Tierwelt zu bewahren.
Ein Hoffnungsschimmer: In einigen Gebieten scheint sich die Population leicht zu erholen. Möglicherweise durch Aufforstungsprojekte und gezielte Bildungsarbeit. Ohne langfristige Schutzstrategien droht dem Marianen-Flughund ein ähnliches Schicksal wie seinem nahen Verwandten, dem Guam-Flughund; jener ist bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts ausgestorben und gilt heute als Symbol für das stille Verschwinden pazifischer Artenvielfalt.